Getränkekarte erstellen: Anleitung, Tipps und kostenlose Vorlage

Getränkekarte erstellen: Struktur, Reihenfolge und Preiskalkulation Schritt für Schritt – mit kostenloser Vorlage und Praxis-Tipps für Bar und Restaurant.

Eine Getränkekarte ist kein Produktkatalog – sie ist ein Verkaufswerkzeug. Wer eine Bar oder ein Restaurant betreibt und die Karte nur als Liste behandelt, lässt bares Geld liegen. Diese Anleitung zeigt, wie du Struktur, Kalkulation und Gestaltung zusammenbringst, damit deine Getränkekarte aktiv zum Umsatz beiträgt.

1. Warum die Getränkekarte über deinen Wareneinsatz entscheidet

Der durchschnittliche Wareneinsatz für Getränke in der deutschen Gastronomie liegt zwischen 20 und 30 Prozent des Nettoumsatzes. Jedes Prozent, das du dort optimierst, geht direkt in den Gewinn. Die Getränkekarte ist der Hebel: Was du listest, in welcher Reihenfolge und zu welchem Preis, beeinflusst, was Gäste bestellen – und damit deinen Wareneinsatz.

Konkret: Ein Cocktail mit 18 Prozent Wareneinsatz und ein Bier vom Fass mit 28 Prozent können beide auf deiner Karte stehen. Wenn du den Cocktail durch Platzierung, Beschreibung und Preis attraktiver machst, verschiebst du den Mix – ohne dass ein Gast es merkt. Das ist Menu Engineering in der Praxis.

Mehr zum Thema: Menü-Engineering: Mit gezielter Speisekarten-Optimierung zu höherem Gewinn

2. Struktur: Was gehört auf eine Getränkekarte?

Eine saubere Struktur erleichtert dem Gast die Entscheidung – und steuert sie gleichzeitig. Die klassische Einteilung für eine Bar- oder Restaurantkarte:

KategorieTypischer InhaltHinweis
Aperitifs & WillkommensgetränkeSekt, Prosecco, Aperol Spritz, Gin TonicEinstiegsprodukte, die den ersten Griff steuern
Cocktails & Mixed DrinksSignature Cocktails, Klassiker, alkoholfreiHöchste Marge – daher prominent platzieren
SpirituosenWhisky, Gin, Rum, Vodka, Tequila, CognacNach Kategorie, dann aufsteigend nach Preis
WeinRotwein, Weißwein, Rosé, SchaumweinJahrgang und Herkunft angeben, Glaspreis ausweisen
BierFass, Flasche, alkoholfreiFass-Bier hat höhere Marge als Flaschenbier
Alkoholfreie GetränkeSoftdrinks, Säfte, Wasser, MocktailsWachsendes Segment – nicht vernachlässigen
HeißgetränkeKaffee, Tee, heiße SchokoladeRelevant für Restaurants, Cafés, Lobbybars
DigestifsGrappa, Amaro, Whisky, PortweinErhöht den durchschnittlichen Bonwert

Nicht jede Karte braucht alle Kategorien. Eine Cocktailbar lässt Wein vielleicht weg, ein Restaurant rückt Wein in den Vordergrund. Entscheide anhand deines Konzepts, was reingehört – und was nicht.

3. Preiskalkulation: So setzt du die Preise richtig

Der Preis auf der Karte ist das Ergebnis einer Kalkulation, kein Bauchgefühl. Die Grundformel:

Verkaufspreis (netto) = Wareneinsatz ÷ Wareneinsatzquote

Beispiel Gin Tonic:

PositionWert
Zutaten4 cl Gin + Tonic + Eis + Garnitur
Wareneinsatz (netto)3,20 €
Ziel-Wareneinsatzquote22 %
Netto-VK (3,20 ÷ 0,22)14,55 €
Brutto-VK (+ 19 % MwSt.)17,31 €
Gerundeter Kartenpreis17,50 € – 18,00 €

Als Richtwerte für die Wareneinsatzquote gelten in der Gastronomie:

GetränkekategorieTypische Wareneinsatzquote
Cocktails & Mixed Drinks15–22 %
Spirituosen pur18–25 %
Wein (Flasche)25–35 %
Wein (Glas)18–25 %
Bier vom Fass20–28 %
Bier (Flasche)25–35 %
Softdrinks10–18 %
Kaffee8–15 %

Wichtig: Die Zielquote ist kein universeller Wert – sie hängt von Standort, Konzept und Preispositionierung ab. Eine Hotelbar in München kann andere Margen erzielen als ein Kiez-Pub in Leipzig. Berechne zuerst deinen Soll-Wareneinsatz, dann prüfe, ob der resultierende Preis im Markt funktioniert.

Mehr zur Kalkulation: Preiskalkulation Gastronomie: Excel-Vorlage kostenlos

4. Rezepte als Basis: Warum Kalkulation ohne Rezept nicht funktioniert

Für die Preiskalkulation brauchst du einen exakten Wareneinsatz pro Drink. Den bekommst du nur über ein standardisiertes Rezept. Ohne Rezept kalkulierst du mit Schätzwerten – und Schätzwerte erzeugen Streuung.

Ein vollständiges Getränkerezept enthält:

  • Alle Zutaten mit exakter Menge (in cl oder ml)
  • Einkaufspreis pro Einheit (netto)
  • Berechneter Wareneinsatz pro Portion
  • Zubereitungshinweise (Rühren, Shaken, Layering etc.)
  • Garnierung (auch diese hat einen Preis)

Wenn du Rezepte und Kalkulation zentral verwaltest, hast du jederzeit den aktuellen Wareneinsatz per Drink. Mehr dazu: Rezeptmanagement, Kalkulation und Inventur: Drei Säulen des gastronomischen Erfolgs

5. Getränkekarte für Bars – was anders ist

Bars haben besondere Anforderungen an die Kartengestaltung. Vier Punkte, die in der Praxis den Unterschied machen:

Signature Cocktails an erster Stelle. Eigene Kreationen haben oft eine bessere Marge als Klassiker. Platziere sie ganz oben – nicht im Anhang.

Alkoholfrei gleichwertig behandeln. Der Anteil nicht alkoholischer Getränke wächst. Behandle alkoholfreie Drinks wie vollwertige Produkte.

Spirituosen nach Regal, nicht alphabetisch. Wenn eine Flasche leer ist, weiß der Barkeeper sofort, was fehlt.

Glaspreise für Wein sind Pflicht. Gäste bestellen Wein häufig glasweise, wenn der Preis transparent ist.

6. Getränkekarte für Restaurants

Im Restaurant ist die Getränkekarte oft ein Anhang zur Speisekarte – ein Fehler. Getränke machen typischerweise 25–40 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Weinempfehlung je Gang. Platziere Weinempfehlungen direkt beim jeweiligen Gang. Das erhöht den Glasabsatz ohne aktiven Verkauf.

Aperitif-Angebot vor dem Essen. Eine einfache Auswahl (zwei bis drei Optionen) auf der Karte erleichtert die Empfehlung.

Kaffee und Digestif am Ende. Der Bonwert steigt signifikant, wenn beides aktiv angeboten wird.

7. Getränkekarte gestalten: 7 Praxis-Tipps

1. Weniger ist mehr. Eine Karte mit 120 Positionen überfordert Gäste. 30–60 Positionen, gut ausgewählt, konvertieren besser.

2. Preisanker setzen. Platziere bewusst ein teures Produkt in jeder Kategorie. Es lässt die mittelpreisigen Optionen günstiger erscheinen.

3. Keine Währungssymbole in der Nähe von Preisen. Das €-Symbol erhöht den wahrgenommenen Schmerz beim Ausgeben. Nutze Zahlen ohne Symbol.

4. Beschreibungen verkaufen. Kurze, sensorische Beschreibungen erhöhen die Bestellrate von Premiumdrinks nachweislich.

5. Saisonalität nutzen. Eine saisonale Empfehlung schafft Frequenz und erhöht die Marge bei günstigeren Saisonprodukten.

6. Allergenkennzeichnung korrekt umsetzen. Die EU-LMIV gilt auch für Getränke. Fehler erzeugen Haftungsrisiken.

7. Karte regelmäßig aktualisieren. Monatliche Preisüberprüfung ist Standard – nicht Ausnahme.

8. Kostenlose Vorlage für die Getränkekarte

Eine Getränkekarte lässt sich in verschiedenen Formaten erstellen:

FormatVorteileNachteile
Excel / Google SheetsKostenlos, flexibel, Kalkulationsformeln möglichKeine Designfunktionen, umständlich bei Änderungen
Word / Google DocsEinfaches Layout, druckbarKalkulation fehlt
Canva / InDesignProfessionelles Design, DruckqualitätKalkulation nicht integriert
Gastronomie-SoftwareKalkulation mit Rezepten verknüpft, Wareneinsatz automatischMonatliche Kosten

Vorlage 1: Aufbau der Karte

Diese Struktur lässt sich direkt in Excel, Word oder Canva übertragen. Die Positionszahlen sind Richtwerte für einen Betrieb mittlerer Größe – wer deutlich darüber liegt, verlängert die Entscheidungszeit des Gastes, ohne mehr zu verkaufen.

ReihenfolgeKategoriePositionen (Richtwert)Was hier hingehört
1Signature Drinks / Empfehlungen3–5Höchste Marge, eigene Handschrift, oben platziert
2Aperitifs & Longdrinks6–10Einstiegsgetränke, schnell zubereitbar
3Cocktails (Klassiker)8–12Erwartbare Namen, die Sicherheit geben
4Bier vom Fass und Flasche4–8Nach Größe gestaffelt, regionale Anker
5Wein (offen / Flasche)6–12Glasweise zuerst, dann Flasche
6Alkoholfrei6–10Eigene Kategorie, nicht als Restposten
7Heißgetränke4–6Am Ende, Abschlussgeschäft
8Digestifs & Spirituosen pur4–8Nach Kategorie sortiert, nicht alphabetisch

Vorlage 2: Kalkulationszeile pro Position

Diese acht Spalten reichen aus, um jede Position sauber zu kalkulieren. Spalte 6 und 7 werden berechnet, nicht geschätzt.

SpalteFeldBeispielFormel
1PositionGin Tonic
2Ausschankmenge5 cl Gin + 200 ml Tonic
3EK netto Basis0,90 €Flaschen-EK ÷ Ausschankmenge
4EK netto Filler0,55 €Filler-EK ÷ Menge
5Garnitur / Eis0,15 €Pauschal je Drink
6Wareneinsatz gesamt1,60 €Summe Spalten 3–5
7Verkaufspreis netto6,40 €Spalte 6 ÷ Zielquote (hier 25 %)
8Verkaufspreis brutto7,62 €Spalte 7 × 1,19 (Getränke: 19 %)

Für die laufende Bestandsführung, die hinter dieser Kalkulation steht, kannst du zusätzlich unsere kostenlose Excel-Vorlage für den Getränkebestand nutzen.

9. Wann lohnt sich eine Software für Rezept- und Kartenmanagement?

Solange du weniger als 20 Positionen auf der Karte hast und Preisänderungen selten sind, reicht Excel. Sobald du regelmäßig Preise anpasst oder mehrere Karten pflegst, wächst der manuelle Aufwand schnell.

BarBrain Rezeptmanagement verknüpft Rezeptkalkulationen direkt mit dem Einkaufspreis. Ändert sich der EK-Preis eines Gins, aktualisiert sich der Wareneinsatz für alle betroffenen Cocktails automatisch.

Mehr dazu: Food Cost Formula: So berechnest du deinen Wareneinsatz richtig

10. Häufig gestellte Fragen

Wie viele Positionen sollte eine Getränkekarte haben?

Als Faustregel: So viele wie nötig, so wenige wie möglich. Für eine Cocktailbar sind 30–50 Positionen realistisch, ein Restaurant max. 60–80.

Muss ich Allergene auf der Getränkekarte kennzeichnen?

Ja. Die EU-LMIV gilt auch für Getränke. Sulfite, Gluten, Laktose müssen entweder direkt auf der Karte oder auf Nachfrage verfügbar sein.

Wie oft sollte ich die Getränkekarte aktualisieren?

Preiskalkulationen monatlich abgleichen, saisonale Änderungen quartalsweise. Kompletter Neuaufbau nur bei Konzeptwechsel oder wenn mehr als 30 Prozent der Positionen ausgetauscht werden.

Wie berechne ich den Preis für Wein glasweise?

EK Flasche (netto) ÷ Anzahl Gläser. Beispiel: 0,75 l Flasche, 0,2 l pro Glas = 3,75 Gläser. EK 8,00 € ÷ 3,75 = 2,13 € pro Glas. Mit 25 % Zielquote = 8,53 € netto, ca. 10,15 € brutto.

Brauche ich eine separate Weinkarte?

Nur wenn Wein ein zentrales Element deines Konzepts ist. Weinrestaurants und gehobene Betriebe profitieren davon, einfachere Betriebe kommen mit einer integrierten Liste aus.

Kann BarBrain bei der Getränkekalkulation helfen?

Ja. BarBrain verbindet Rezeptverwaltung, Einkaufspreise und Inventurdaten. Ändert sich ein EK-Preis, aktualisieren sich alle betroffenen Rezepte automatisch. Demo buchen und 30 Tage kostenlos testen.

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