
Cloud Kitchen einfach erklärt: Was steckt hinter Ghost Kitchens und Dark Kitchens? Definition, Unterschiede, Business Model
Das Delivery-Only-Modell zählt zu den am schnellsten wachsenden Trends in der Gastronomie. Doch für wen lohnt sich ein Restaurant ohne Gastraum wirklich? Und welche operativen Herausforderungen warten? Dieser Guide gibt dir einen praxisnahen Überblick – von der Definition über das Business Model bis zu den konkreten Schritten für den Einstieg.
Der Begriff „Cloud Kitchen“ beschreibt eine gewerbliche Küche, die ausschließlich für die Auslieferung und Abholung von Speisen produziert. Es gibt keinen Gastraum, keine Tische, keinen Service. Die gesamte Kundeninteraktion läuft digital – über Lieferplattformen wie Lieferando, Uber Eats oder Wolt, oder über einen eigenen Online-Shop.
Der Name folgt der Logik von „Cloud Computing“: Die Infrastruktur existiert, aber der Endkunde sieht sie nicht. Genau wie du keinen Serverraum besuchst, wenn du eine App nutzt, betritt auch kein Gast die Küche einer Cloud Kitchen. International sind auch die Begriffe Ghost Kitchen, Dark Kitchen, Virtual Kitchen und Delivery-Only Kitchen gebräuchlich.
Einfach erklärt: Stell dir ein Restaurant vor, das nur aus Küche besteht. Kein Eingang für Gäste, kein Kellner, keine Speisekarte auf dem Tisch. Stattdessen: eine effiziente Produktionsstätte, die Essen kocht, verpackt und per Lieferdienst zum Kunden brin
Die Begriffe werden im Alltag oft synonym verwendet, unterscheiden sich aber in ihrer Nuancierung:

Das Geschäftsmodell eines Delivery-Only-Restaurants unterscheidet sich fundamental vom klassischen Gastronomie-Ansatz. Hier sind die zentralen Bausteine:

Eines der stärksten Konzepte im Food Delivery Business ist die Multi-Brand-Strategie. Eine einzige Küche betreibt parallel mehrere virtuelle Marken, die sich Infrastruktur, Personal und Lager teilen. Jede Marke hat ihr eigenes Branding, ihre eigene Speisekarte und ihr eigenes Plattform-Profil.
Das Modell ist effizient – stellt aber hohe Anforderungen an die Bestandsführung. Wenn drei Marken aus demselben Lager arbeiten, muss der Verbrauch pro Marke klar zuordenbar sein. Sonst wird aus der Multi-Brand-Strategie schnell ein Kalkulationsproblem.
Hybridmodelle als Zukunft: Viele erfolgreiche Betriebe kombinieren beide Welten: ein klassisches Restaurant mit Gastraum plus eine oder mehrere virtuelle Marken, die aus derselben Küche zusätzlichen Umsatz generieren – besonders außerhalb der Stoßzeiten.
Was willst du anbieten? Für wen? Delivery-Kunden bestellen anders als Gäste vor Ort. Bewährte Konzepte im Food Delivery Business sind Bowls, Burger, Wraps, Curry und Poke – Gerichte, die sich gut verpacken und transportieren lassen.
Auch ein Restaurant ohne Gastraum unterliegt denselben Lebensmittelhygiene-Vorschriften: HACCP-Konzept, Belehrung nach Infektionsschutzgesetz (§43), Gewerbeanmeldung, ggf. Abnahme durch das Gesundheitsamt. Plane dafür 4–8 Wochen ein.
Registriere dich bei mindestens zwei Plattformen für Reichweite. Investiere in professionelle Food-Fotos – im Delivery-Geschäft kaufen Kunden mit den Augen, bevor sie bestellen.
Teste, welche Gerichte nach 20–30 Minuten Transport noch gut aussehen und schmecken. Reduziere auf deine stärksten 15–20 Positionen – weniger ist im Delivery-Geschäft fast immer mehr.
Bevor du live gehst, brauchst du klare Prozesse für Einkauf, Lager und Inventur. Das ist der Punkt, an dem viele Delivery-Only-Konzepte scheitern: Sie starten mit Bauchgefühl statt mit Daten. Richte von Anfang an eine strukturierte Bestandsführung ein – ob über ein spezialisiertes Inventur-Tool, ein Warenwirtschaftssystem oder zumindest über eine sauber gepflegte Tabelle.
Quick-Start Tipp: Starte schlank: Eine Marke, 15 Gerichte, ein Lieferpartner. Erst wenn Küche, Lager, Bestellung und Auslieferung sitzen, skalierst du auf weitere Marken und Plattformen.
Wenn es einen Bereich gibt, der in Delivery-Only-Konzepten über Erfolg oder Scheitern entscheidet, dann ist es der Wareneinsatz. Der Grund: Ohne Getränkeumsatz und ohne Möglichkeit, Restbestände spontan als Tagesgericht zu verkaufen, schlägt jeder verlorene Euro im Einkauf direkt auf die Marge durch.
Wareneinsatz (%) = (Anfangsbestand + Einkäufe – Endbestand) ÷ Umsatz × 100
Saubere Inventurdaten sind die Grundlage für Anfangs- und Endbestand – ohne sie ist die Formel wertlos.
Typische Delivery-Only-Betriebe zielen auf einen Wareneinsatz von 26–32 %. Durch die Standardisierung der Gerichte ist eine präzisere Steuerung möglich als in klassischen Restaurants – aber nur mit regelmäßiger, verlässlicher Inventur.
Der Markt bietet verschiedene Ansätze für Food Cost Control und Inventur in der Gastronomie:
Häufiger Fehler: Viele Gründer investieren viel in Plattform-Präsenz und Marketing, aber sparen bei der Warenwirtschaft. Das Ergebnis: Der Umsatz wächst, die Marge nicht – weil niemand weiß, wo die Kosten tatsächlich liegen.
Der Markt für Delivery-Only-Konzepte wächst rasant – angetrieben durch verändertes Konsumverhalten, steigende Delivery-Nachfrage und die Suche nach kosteneffizienten Gastronomie-Modellen.
Der globale Markt wurde 2024 auf rund 73–78 Milliarden USD geschätzt und soll bis Anfang der 2030er-Jahre auf über 140–190 Milliarden USD anwachsen – je nach Quelle mit jährlichen Wachstumsraten (CAGR) von 9,5–12 %.
Quellen: Grand View Research (73,2 Mrd. USD, 2024), IMARC Group (78,1 Mrd. USD, 2024), Market Data Forecast (74,2 Mrd. USD, 2024)
Europa ist ein wachsender Markt mit regionaler Fragmentierung. Deutschland ist laut mehreren Analysten der am schnellsten wachsende europäische Markt für Delivery-Only-Konzepte, mit einem Marktvolumen von rund 3,9 Milliarden USD (2025) und einer prognostizierten Verdreifachung auf ca. 10,1 Milliarden USD bis 2034.
Quellen: IMARC Group – Germany Cloud Kitchen Market (3,9 Mrd. USD, 2025); Virtue Market Research – Europe Cloud Kitchen Market (DE mit 20 % Marktanteil, schnellstes Wachstum)
Konsolidierung: Große Player wie Kitopi, Rebel Foods und CloudKitchens (Travis Kalanick) dominieren zunehmend die Infrastruktur
Das Konzept der Cloud Kitchen geht weit über eine reine Delivery-Küche hinaus. Es ist ein fundamental anderes Geschäftsmodell für Gastronomie – leaner, datengetriebener und skalierbarer als der klassische Ansatz. Aber auch mit eigenen Herausforderungen: Plattform-Abhängigkeit, fehlender Kundenkontakt und die Notwendigkeit, Wareneinsatz und Bestände präzise zu managen.
Wer eine Cloud Kitchen erfolgreich betreiben will, braucht neben einem starken Konzept und gutem Essen vor allem eins: Kontrolle über die Zahlen. Und das beginnt bei einer sauberen, regelmäßigen Inventur – dem Fundament für Kalkulation, Einkauf und Wirtschaftlichkeit.
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