Inventur & Warenwirtschaft

Wareneingangskontrolle in der Gastronomie: Ablauf, Pflichten und Checkliste

Wareneingangskontrolle in der Gastronomie: Ablauf in 4 Schritten, Temperaturen, Rügepflicht nach § 377 HGB und Checkliste für dein Team.

Max Möbius

Max Möbius

Senior Operations Manager

7 Min.

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Wareneingangskontrolle in der Gastronomie: Ablauf, Pflichten und Checkliste

Der Lieferant steht um 7:30 Uhr in der Tür, die Küche bereitet das Mittagsgeschäft vor, und irgendjemand unterschreibt schnell den Lieferschein. Erst Tage später fällt auf, dass eine Kiste fehlte oder der Lachs zu warm angeliefert wurde. Genau hier setzt die Wareneingangskontrolle an: Sie ist der kurze, feste Prüfschritt zwischen Anlieferung und Lager, der dich vor Fehlmengen, Qualitätsproblemen und falschen Zahlen schützt.

In diesem Artikel erfährst du, was zu einer Wareneingangskontrolle in der Gastronomie gehört, welche rechtlichen Fristen gelten, welche Temperaturen du bei Kühlware prüfen solltest und wie du den Ablauf so organisierst, dass er im Alltag auch tatsächlich gelebt wird. Am Ende findest du eine Checkliste zum Mitnehmen.

1. Was ist eine Wareneingangskontrolle?

Die Wareneingangskontrolle ist die Prüfung jeder Lieferung direkt bei der Annahme. Du vergleichst, ob das, was auf dem Lieferschein steht, auch wirklich angekommen ist – in der richtigen Menge, in einwandfreiem Zustand und bei Lebensmitteln mit der richtigen Temperatur. Erst danach wandert die Ware ins Lager, in den Kühlraum oder an die Bar.

In der Gastronomie erfüllt die Kontrolle drei Aufgaben gleichzeitig: Sie sichert die Qualität deiner Lebensmittel, sie schützt dein Geld, weil du nur bezahlst, was tatsächlich geliefert wurde, und sie liefert die Zahlen für deine Warenwirtschaft. Denn jeder Wareneingang fließt in den Wareneinsatz ein: Anfangsbestand plus Wareneingang minus Endbestand ergibt deinen tatsächlichen Verbrauch. Fehlt eine Lieferung in den Unterlagen oder ist sie falsch erfasst, stimmt diese Rechnung nicht mehr. Wie das große Ganze zusammenhängt, liest du im Beitrag Warenwirtschaft in der Gastronomie.

2. Ablauf der Wareneingangskontrolle in 4 Schritten

Eine gute Wareneingangskontrolle muss schnell gehen, sonst wird sie im Stress übersprungen. Bewährt hat sich ein fester Ablauf in vier Schritten:

Schritt 1 – Annehmen: Lege Lieferschein und Ware nebeneinander. Prüfe, ob Lieferant, Datum und Lieferadresse stimmen und ob die Lieferung zu deiner Bestellung passt.

Schritt 2 – Prüfen: Zähle oder wiege die Positionen nach und kontrolliere Verpackung, Mindesthaltbarkeitsdatum und bei Kühl- und Tiefkühlware die Temperatur.

Schritt 3 – Dokumentieren: Halte Abweichungen sofort fest, am besten direkt auf dem Lieferschein und gegengezeichnet vom Fahrer. Reklamiere beim Lieferanten noch am selben Tag.

Schritt 4 – Buchen: Übernimm die tatsächlich angenommene Menge in deinen Bestand. Erst dann ist der Wareneingang abgeschlossen.

1
Annehmen
Lieferschein und Ware gegenüberstellen
2
Prüfen
Menge, Zustand, Temperatur, MHD
3
Dokumentieren
Abweichungen notieren und reklamieren
4
Buchen
Wareneingang in den Bestand übernehmen

Lege außerdem fest, wer Lieferungen annehmen darf. Wenn nur eingewiesene Mitarbeitende unterschreiben, sinkt das Risiko, dass ein Lieferschein ungeprüft abgezeichnet wird. Plane Lieferzeiten möglichst außerhalb der Stoßzeiten, damit für die Kontrolle ein paar Minuten bleiben.

3. Was du bei der Wareneingangskontrolle konkret prüfst

Menge und Artikel

Stimmen Artikel, Gebindegröße und Stückzahl mit dem Lieferschein überein? Typische Fehler sind fehlende Kisten, falsche Gebinde (0,7 l statt 1,0 l) oder Ersatzartikel, die ohne Absprache geliefert werden. Bei Fleisch, Fisch und Gemüse lohnt sich das Nachwiegen, denn hier wird nach Gewicht abgerechnet.

Zustand und Verpackung

Beschädigte Kartons, aufgerissene Vakuumverpackungen, Bruch bei Flaschen oder angetautes Tiefkühlgut gehören sofort reklamiert. Was du einmal angenommen und eingelagert hast, lässt sich später schwer zurückgeben. Mehr zu Verlusten durch Bruch liest du im Beitrag Schwund und Bruch in der Gastronomie.

Temperatur bei Kühl- und Tiefkühlware

Für leicht verderbliche Lebensmittel misst du die Produkttemperatur mit einem Einstechthermometer. Das Merkblatt zur Wareneingangskontrolle der Stadt Köln nennt zum Beispiel folgende Höchstwerte:

  • Frisches Fleisch (Rind, Schwein, Lamm): höchstens 7 °C
  • Frisches Geflügel und Hackfleischerzeugnisse: höchstens 4 °C
  • Innereien: höchstens 3 °C
  • Tiefkühlware: −18 °C oder kälter (kurzfristig −15 °C)

Frischer Fisch sollte auf Eis angeliefert werden. Laut Merkblatt wird die gemessene Temperatur notiert und mit Unterschrift bestätigt; bei Mängeln wie erhöhter Temperatur hältst du die Maßnahme fest, etwa die Rückgabe der Ware. Maßgeblich sind immer die Vorgaben deiner zuständigen Lebensmittelüberwachung und die Herstellerangaben – in Österreich und der Schweiz gelten eigene Regelungen der Behörden.

Mindesthaltbarkeit und Kennzeichnung

Prüfe Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum. Ware, die nur noch wenige Tage hält, passt oft nicht zu deinem Verbrauch und landet sonst im Abfall. Achte auch darauf, dass die Ware gekennzeichnet ist, damit du sie im Lager eindeutig zuordnen kannst.

Preise auf Lieferschein und Rechnung

Viele Betriebe prüfen Mengen, aber keine Preise. Dabei schleichen sich Preiserhöhungen genau hier ein. Wenn die Flasche Gin plötzlich teurer ist, verändert sich dein Wareneinsatz pro Drink – ohne dass es jemand merkt. Gleiche deshalb Lieferschein- oder Rechnungspreise regelmäßig mit deinen vereinbarten Preisen ab.

4. Rechtliches: Prüf- und Rügepflicht kennen

Neben der Lebensmittelsicherheit hat die Wareneingangskontrolle eine handelsrechtliche Seite. Nach § 377 HGB muss der Käufer bei einem Kauf, der für beide Seiten ein Handelsgeschäft ist, die Ware unverzüglich nach der Ablieferung untersuchen, soweit das im ordnungsgemäßen Geschäftsgang möglich ist, und einen Mangel unverzüglich anzeigen. Unterlässt er die Anzeige, gilt die Ware als genehmigt – es sei denn, der Mangel war bei der Untersuchung nicht erkennbar. Zeigt sich ein solcher versteckter Mangel später, muss die Anzeige unverzüglich nach der Entdeckung erfolgen.

Für dich heißt das: Wer erst Tage später reklamiert, riskiert seine Ansprüche gegenüber dem Lieferanten. Die Kontrolle direkt bei der Annahme ist also nicht nur gute Praxis, sondern sichert dein Geld.

Österreich und Schweiz: In Österreich verlangt § 377 UGB, Mängel binnen angemessener Frist zu rügen. In der Schweiz muss der Käufer die Ware nach Art. 201 OR prüfen, sobald es nach dem üblichen Geschäftsgang tunlich ist, und Mängel sofort anzeigen. Im Einzelfall klärst du die Details am besten mit deiner Rechtsberatung.

5. Rechenbeispiel: Was eine fehlende Kontrolle kostet

Ein Beispiel aus dem Alltag einer Bar mit Küche. Montagmorgen kommen zwei Lieferungen, die Lieferscheine werden ohne Kontrolle unterschrieben:

  • Eine Kiste Tonic Water mit 24 Flaschen à 0,55 € netto fehlt: 24 × 0,55 € = 13,20 €
  • Statt 3 kg Lachsfilet sind nur 2 kg geliefert, berechnet werden 3 kg à 24,00 € netto: 1 kg × 24,00 € = 24,00 €

Zusammen sind das 37,20 € an einem einzigen Tag. Passiert so etwas einmal pro Woche, summiert es sich auf 52 × 37,20 € = 1.934,40 € im Jahr – Geld, das du ohne Wareneingangskontrolle kaum zurückholst, weil die Reklamationsfrist längst verstrichen ist. Dazu kommt ein zweiter Effekt: In deiner Inventur fehlt die Ware dann scheinbar als Schwund, und deine Wareneinsatzquote steigt, ohne dass du die Ursache findest. Wie du Bestände richtig zählst, zeigt der Inventur-Guide für die Gastronomie.

6. Checkliste Wareneingangskontrolle

Diese Punkte kannst du als Checkliste für dein Team übernehmen:

  • Lieferschein vorhanden, Lieferant und Datum korrekt
  • Lieferung passt zur Bestellung
  • Artikel, Gebinde und Mengen stimmen (bei Frischware nachwiegen)
  • Verpackung unbeschädigt, kein Bruch
  • Temperatur bei Kühl- und Tiefkühlware gemessen und notiert
  • Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum geprüft
  • Preise mit vereinbarten Konditionen abgeglichen
  • Abweichungen auf dem Lieferschein vermerkt und vom Fahrer gegengezeichnet
  • Reklamation noch am selben Tag an den Lieferanten
  • Ware sofort richtig eingelagert und als Wareneingang gebucht

Hänge die Liste dort auf, wo Lieferungen ankommen. Ergänzend hilft ein sauber berechneter Mindestbestand, damit du nur bestellst, was du wirklich brauchst.

7. Wareneingangskontrolle mit BarBrain

Der aufwendigste Teil der Wareneingangskontrolle ist oft nicht die Prüfung an der Rampe, sondern das spätere Erfassen: Lieferscheine sammeln sich, werden am Monatsende abgetippt, und bis dahin sind Bestand und Wareneinsatz ungenau. Mit dem KI-Lieferschein-Scanner von BarBrain wird dieser Schritt Teil der Annahme.

KI-Lieferschein-ScannerFoto rein, Wareneingang gebucht
Lieferschein
Erkannte Positionen
Rinderhüfte3 kg
Kartoffeln10 kg
Mineralwasser 0,75 l12 Fl.
WareneingangGebucht ✓
Beispieldarstellung: Positionen werden vom Foto erkannt, geprüft und als Wareneingang gebucht.

So funktioniert es: Du fotografierst den Lieferschein bei der Annahme mit dem Smartphone oder lädst einen Lieferschein oder eine Rechnung als PDF hoch. Die KI liest Positionen, Mengen, Gebinde und Einkaufspreise aus. Abweichende Artikelnamen des Händlers werden deinen eigenen Artikeln zugeordnet, und bei einem Ersatzartikel fragt BarBrain nach, ob es der richtige ist. Du prüfst die erkannten Positionen und buchst die ganze Lieferung mit einem Klick als Wareneingang. Dein Bestand ist danach sofort aktuell.

Preisänderungen siehst du direkt in der Prüfliste, und die neuen Preise fließen in deine Artikel und in das Rezeptmanagement ein. Zusammen mit der digitalen Inventur entsteht so eine vollständige Rechnung aus Anfangsbestand, Wareneingang und Endbestand – die Grundlage für den Soll-Ist-Vergleich über die Kassenanbindung.

Aufgabe
Ohne BarBrain
Mit BarBrain
Lieferschein erfassen
Am Monatsende abtippen
Foto oder PDF, KI erkennt Positionen
Artikel zuordnen
Händlernamen von Hand übersetzen
Automatisch deinen Artikeln zugeordnet
Preisänderungen
Fallen oft erst später auf
Direkt in der Prüfliste sichtbar
Bestand
Erst bei der nächsten Inventur korrekt
Sofort nach dem Buchen aktuell

Der Unterschied im Alltag: Ohne Software werden Lieferscheine am Monatsende abgetippt, Händlernamen von Hand übersetzt und Preisänderungen fallen oft erst später auf. Mit BarBrain erfasst du die Lieferung per Foto oder PDF, die Artikel werden zugeordnet, Preisänderungen stehen in der Prüfliste und der Bestand ist nach dem Buchen sofort aktuell. Für Hotels und Gruppen gilt: Jedes Outlet ist ein eigener Account mit eigenen Bereichen, in der Admin-Übersicht vergleichst du die Outlets miteinander.

Du willst sehen, wie das in deinem Betrieb aussieht? In einer unverbindlichen Demo zeigen wir dir den Lieferschein-Scanner in der Praxis. Jetzt Demo buchen.

8. Häufig gestellte Fragen

Was gehört zu einer Wareneingangskontrolle in der Gastronomie?
Du gleichst die Lieferung mit Lieferschein und Bestellung ab, prüfst Menge, Verpackung, Mindesthaltbarkeit und bei Kühl- und Tiefkühlware die Temperatur. Abweichungen dokumentierst du und reklamierst sie beim Lieferanten. Zum Schluss buchst du die Ware in deinen Bestand.
Wie schnell muss ich Mängel bei einer Lieferung melden?
Bei Käufen zwischen Kaufleuten verlangt § 377 HGB, die Ware unverzüglich zu untersuchen und Mängel unverzüglich anzuzeigen. Wer zu spät rügt, riskiert, dass die Ware als genehmigt gilt. Prüfe deshalb direkt bei der Annahme und melde Abweichungen am selben Tag.
Welche Temperaturen gelten bei der Annahme von Kühlware?
Das Merkblatt der Lebensmittelüberwachung Köln nennt zum Beispiel höchstens 7 °C für frisches Fleisch, 4 °C für frisches Geflügel und Hackfleischerzeugnisse sowie −18 °C oder kälter für Tiefkühlware. Maßgeblich sind die Vorgaben deiner zuständigen Behörde und die Herstellerangaben.
Muss ich die Wareneingangskontrolle dokumentieren?
Für die Lebensmittelsicherheit solltest du mindestens Datum, Lieferant, Produkt, gemessene Temperatur, Maßnahmen und Unterschrift festhalten. Viele Behörden stellen dafür Vorlagen bereit. Die dokumentierten Mengen sind außerdem die Grundlage für deinen Wareneinsatz.
Wie hilft BarBrain bei der Wareneingangskontrolle?
Mit dem KI-Lieferschein-Scanner fotografierst du den Lieferschein oder lädst ihn als PDF hoch. Die KI erkennt Positionen, Mengen und Einkaufspreise, du prüfst die Liste und buchst den Wareneingang mit einem Klick. Dein Bestand ist danach sofort aktuell.
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